Einst spendete sie Leben, Licht und Wärme. Doch nun hat die Sonne die ganze Erde mit ihrer entfesselten Strahlkraft in verdörrtes, lebloses Ödland verwandelt. Deutschland ist nicht verschont geblieben. Wälder sind versengt, Tierkadaver säumen die Straßen. Selbst die Nächte sind eindringlich hell. Nur wer sich gegen das blendende Licht der Sonne schützt, hat eine Chance zu überleben. Wie Marie, die mit ihrer kleinen Schwester Leonie und Phillip in einem abgedunkelten Auto Richtung Gebirge fährt: Dort, so heißt es, soll es Wasser geben! Es ist eine verzweifelte Irrfahrt ins Nirgendwo. Unterwegs lesen sie Tom auf. Er erweist sich als perfekter Mechaniker und ist unentbehrlich. Doch kann man ihm auch wirklich trauen? Die Anspannung in der kleinen Gruppe wächst. Dann werden die Vier in einen Hinterhalt gelockt. Der Überlebenskampf beginnt...
Eindruck: Review von M. Hermann & S. Notbom Prüfungsmedium: Kino Mit freundlicher Unterstützung der Pressebetreuung
Für den jungen Regisseur und Drehbuchautor Tim Fehlbaum ist die deutsche Roland Emmerich-Produktion HELL sein Kinofilmdebüt, die sich als erstaunlich beeindruckender Start in das Filmgeschäft erweist. Vor allem, da dies der erste deutsche Film ist, den der Verleiher-Gigant Paramount Pictures mit einem bundesweiten Kinostart "ehrt". - Das will schon etwas heißen, für einen 28-jährigen Filmemacher, der mit einer guten Idee (die übrigens auf einem Zombiekurzfilm basiert) direkt von der Filmhochschule München in das Business "der wirklich Großen" gestolpert ist! Endzeit-Spezialist Roland Emmerich - der laut Fehlbaum nicht in die Produktion reingeredet hat, sondern eher als Berater fungierte - ist sogar für Leute die sich so gut wie gar nicht mit Filmen auskennen ein großer Name, der für effektvolle Hollywood-Blockbuster steht...
HELL steht in diesem Fall tatsächlich für das Licht und nicht etwa für das englische Wort "Hölle" (engl.: hell). Letzterer Titel würde aber auch gut passen, denn die Sonne dient im Jahre 2016 nicht mehr als Wärmequelle, sondern stellt nunmehr eine echte Bedrohung dar, durch zunehmende Strahlung und Hitzeentwicklung, die alles Leben auf der Erde zu vernichten droht... Das Unglück mit der Sonne ist in diesem Film ein fantastischer Part und keine ökopolitische Warnung oder Kritik! - In HELL ist es eben, wie es ist: Sehr hell und dadurch zu warm!
Trotz der Tatsache dass viele der Bilder sehr offen und grell gestaltet wurden, mit teilweise starkem Gegenlicht, wirkt der Film beengend und düster, was ihm eine einzigartige Atmosphäre verleiht und den Zuschauer die bedrohliche Hitze geradezu selbst spüren lässt. Um in dieser Umgebung zu überleben, musste sich auch die Gesellschaft anpassen: Die Menschen haben sich zu mordlustigen und verwahrlosten Dieben entwickelt, von denen jeder einzelne und jede kleine Gruppierung nach eigenen Regeln lebt. - Ein düsteres Szenrio in absoluter Helligheit...
Dass der Film in nicht all zu ferner Zukunft spielt (2016) ist unserer Meinung nach ein geschickter Kniff, in Anbetracht der Tatsache dass es keinen Grund dafür gibt, dass die Sonne stärker als sonst auf die Erde nieder brennt. So wird der Film auch noch in 30 Jahren funktionieren und einfach nur über eine fiktive Katastrophe in den frühen 2000er Jahren berichten...
HELL wurde in Bayern, Brandenburg und in einem verbrannten Waldstück auf Korsika gedreht und unterlag einem 41-tägigen, straffen Drehplan, im Frühjahr 2011. Und obwohl es bei den Dreharbeiten noch sehr kalt war und nicht immer die Sonne schien, ist es Regisseur Tim Fehlbaum und seinem Kameramann Markus Förderer gelungen unseren grünen Planeten wirklich verbrannt erscheinen zu lassen. Nicht zuletzt weil Förderer ein ausgefeiltes Lichtkonzept hatte, bei dem unpassende Bildausschnitte geschickt, mit viel Gegenlicht oder Staub, kaschiert wurden... Tatsächlich, so erzählte uns Fehlbaum, gibt es im gesamten Film nur drei oder vier Computereffekte. - Bei schlechtem Wetter habe man einfach Szenen im Auto oder in verwahrlosten Gebäuden der ehemaligen DDR gedreht.
Alle Schauspieler wirken sehr überzeugend und schaffen es die Charakterentwicklungen realistisch darzustellen: Lars Eidinger scheint als anfänglicher Anführer die Situation immer unter Kontrolle zu haben. Hannah Herzsprung (DER BAADER MEINHOF KOMPLEX) spielt eine junge und verunsicherte Frau, die im Laufe des Films sichtlich an Mut gewinnt und der Story dadurch eine gewisse Spannung verleiht. Stipe Erceg präsentiert sich zu Beginn als ruhiger und meist schweigender Überlebenskünstler, der sich im Laufe der Spielzeit aber zum Leitwolf mausert. Und schließlich ist da noch Lisa Vicari, das kleine Sorgenkind der Truppe, die mit ihrer Filmschwester Hannah Herzsprung das familiäre Herz der Gruppe darstellt und somit etwas Licht ins sprichwörtliche Dunkel der durch die Apokalypse gepeinigten Menschheit bringt...
Fazit: Tolle Bilder, eine ergreifende Story und überzeugende Schauspieler. HELL ist ein beeindruckendes Endzeiterlebnis, über das man lange nachdenken wird.